Die Flucht – ein Gruß von Ursula Erbacher

Eine Teilnehmerin aus der Autorenschule schrieb mir folgende Worte:

Im Matthäusevangelium (Mt 2,13) wird die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten beschrieben. …

… Heute fliehen Millionen Menschen aus Damaskus, aus Syrien und vielen anderen Ländern, oft aus dem gleichen Grund nach Europa. Sie fliehen aus Todesangst, vor Hunger und Missbrauch, weil sie einer anderen Religion angehören, eine andere Hautfarbe oder keine Perspektive haben, politisch anders denken oder einfach nur unerwünscht sind. Im Evangelium sendet Gott einen Engel und setzt sich zu ihnen, zu den Armen, Obdachlosen, Geschändeten und Hungernden.

 

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Folgen wir den Worten im Evangelium, liegt es nahe, uns zu den Suchenden, Hungernden und Frierenden zu setzen, ihnen zuzuhören, sie aufzunehmen, so wie es Gott getan hat. Doch was bedeutet das für uns? Müssen wir abgeben, teilen? Das Fremde aushalten, Zeit investieren, uns mit anderen Kulturen, Religionen und Menschen auseinandersetzen? Egal, wie sich jeder entscheidet, es geht um Menschlichkeit und die Intelligenz der Herzen. Zeigt uns nicht das Fest der „Geweihten Nacht“ genau diese (Nächsten-) Liebe auf?
Wir können darauf vertrauen, dass nichts geschieht, was keinen Sinn macht. Ich denke, gerade wir Deutschen haben durch die Flüchtlingszuströme eine große Chance vergangene Untaten, Morde, Folter, Missbrauch, Vertreibung und Willkür wieder gut zu machen. Denn weiter steht im Alten Testament: „Gott sprach: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich heraus geführt hat aus dem Land Ägypten, aus einem Sklavenhaus. (…). Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, bis in die dritte und vierte Generation. (2. Mose – Kapitel 20). Nun, wir sind mitten in der dritten und vierten Generation. Und dabei denke ich nicht an Schuld, sondern die Möglichkeit neue Wege zu gehen. Nun liegt es an uns, ob wir diese Chance nutzen oder sie vertun.
Wenn wir uns jedoch dieser sicher recht schwierigen Herausforderung stellen, und wenn es uns gelingt sie – mit all unserer Angst und Sorge – förderlich für alle Beteiligten zu bewältigen, dann kann das nur der wohlwollende Ausgleich sein und wir alle können gemeinsam voneinander lernen und unseren ganz persönlichen, wie kollektiven Frieden finden.

In diesem Sinne wünsche ich ein gemeinschaft-förderndes, friedliches Weihnachten und ein segenbringendes Neues Jahr 2016, verbunden mit Dank für all das was uns verbindet.

Ursula Erbacher,
Schöneck, im Dezember 2015

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