Nichts kritisieren?

Zu meinen Buchbesprechungen gehört, nur Bücher zu besprechen, die mich begeistern. Mein Credo: Keine Kritik an Büchern, erst recht nicht öffentlich. Heute bin ich wortbrüchig geworden und habe auf AMAZON das Buch von Matthias Pöhm kritisch besprochen: „NICHTS muss sich ändern. Die Lösung für das Leid der Erde.“ 

Hier der Text meiner Rezension:

NICHTS von Bedeutung

Jeder Philosoph hat sich am NICHTS die Zähne ausgebissen. So auch Matthias Pöhm, der sich im NICHTS dann eher als ein zahnloser Tiger präsentiert. Zweifellos: Das Buch ist eine intellektuelle Herausforderung ersten Ranges! Deswegen meine 5 Sterne. Es gibt kein Buch, das mich in den letzten Jahren mehr „genervt“ hat als dieses (ich habe es auch nicht zu Ende gelesen, habe die Lektion schon auf den ersten 60 Seiten gelernt). Wenn sich ein Weg als Sackgasse herausstellt, muss man ihn nicht zu Ende gehen (ich weiß nicht, wie viele Seiten des Buches man lesen muss, bis es KLICK! macht und man aussteigt). Dabei ist mir bewusst, dass es in dem Fall wichtiger ist, mein eigenes „Genervtsein“ anzuschauen, das Buch löst ja nur etwas aus, das ich „in mir“ habe. Das Buch ist meiner eigenen „Philosophie des NICHTS“ zu nahe, als dass es mich unberührt ließe, und mich bissig macht. Wenn wir uns mit dem NICHTS rein intellektuell auseinander setzen, sind wir alle ein bisschen „Matthias Pöhm“ – das gilt es selbstkritisch anzuschauen. Das NICHTS lässt sich nicht rational bewältigen und aufs Kreuz legen. Daran muss man scheitern und wird daraus hoffentlich gescheiter. Das NICHTS ist Teil der PARADOXEN Welt. So ist das Gegenteil „genauso wahr“: ALLES muss sich ändern und tut es „Gott sei Dank!“ auch. Das Leid der Erde ist keine Sinnestäuschung, sondern etwas, das nach Erlösung schreit. (Hast du die offenen Ohren, den Schrei der Kreaturen auf der Erde zu hören?)
Matthias Pöhm ist die leibhafte Inkarnation von zwei Weisheiten: „Eine Kritik sagt mehr über den Kritiker aus als über das Kritisierte.“ Ja, und: „Es ist noch keinem Kritiker ein Denkmal gesetzt worden.“ Das wird sich auch mit Matthias Pöhm nicht ändern. Kritik ist ANTI und ANTI ist nie die Lösung, erst recht nicht die „Lösung für das Leid der Erde“.
PS: Wenn der Prophet des „NICHTS muss sich ändern“ selbst eine Anti-PowerPoint-Partei gründet, dann zeigt das für meine Denke, wohin eine (Selbst-)Verherrlichung rationalen Denkens letztlich führt: in die ALLES zersetzende Selbstzerstörung.

Ich registrieren, dass ich auch mein „Lieblingsbuch“, das dieses philosophische Blog am Anfang ausgelöst hat (Lutz von Werders „Lehrbuch“), durchaus kritisch gesehen habe. Mir scheint, eine „kritische Distanz“ (Hegels Negation) ist die die Profilierung eines eigenen Gedankengutes (dann die „Negation der Negation“) unabdingbar ist. So mag das Schwert der kritischen Unterscheidung (des Erzengels Michael) mein philosophisches Blog weiter begleiten.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 347 Leser/innen.