Weg ohne Wille?

Es heißt ja: „Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.“ Bin ich meinen Weg bisher ohne bewussten Willen gegangen? Und was bedeutet Wille für den „Seelenweg“?

Die beiden kürzlich besprochenen Bücher von Tom Amarque („Der Wille“ und „Wie wir wurden, wer wir sind – und was wir werden können. Eine kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution“) machen etwas mit mir. Da organisiert sich in meinem SELBST etwas um, das ich deutlich spüre. Ich habe dem Autor heute eine eMail über meine eigene Bewusstseins-Evolution als Feedback zu seinen Büchern geschrieben. 

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Mir ist bei der Besprechung Ihres Buches „Kleine Geschichte …“ etwas Wichtiges über mich selbst bewusst geworden! Es geht um den Wechsel des Schwerpunkts von modernen Verstandes-Domäne über die postmoderne Gefühls-Domäne hin zur post-postmodernen Willens-Domäne (also Ihr Thema). Es erlaubt mir ein Rückblick auf mein Leben aus einer höheren Warte, also ein Quantensprung in meiner Selbsterkenntnis. WOWWW, so soll es sein!

Jetzt natürlich nur im Telegramm-Stil:

Mich hat das Thema „Evolution“ fasziniert, seitdem ich denken kann. Ich hatte auf dem Gymnasium ein Referat über Marx und Feuerbach zu halten und las dazu bewusst Marx im Original (keine „Sekundärliteratur“). Dabei erweckte mich der Gedanke von Marx, die Menschheit lebe in den Klassengesellschaften noch in der vormenschlichen Epoche. Die eigentliche Menschwerdung stehe uns noch bevor. Diese IDEE ist heute noch die Leitidee meines Lebens: Wie entwickle ich mich selbst zum „wahren Menschen“? Wie transformieren sich die Menschen zur „wahren Menschheit“? Diese Fragen zu beantworten, scheint ein wichtiger Teil meiner Lebensaufgabe, Bestimmung, Berufung zu sein. Ich mache inzwischen einen Unterschied zwischen „tierischem Menschen“, „menschlichen Menschen“ und „göttlichen Menschen“ (wir haben immer alle „drei Seelen“ in uns) und stehen weltweit beim Übergang des tierischen zum menschlichen Menschen (das hat etwas vom Zentaur, Halbtier-Halbmensch), vom ersten zum zweiten Rang, Sie wissen schon …

Wilbers Buch „Halbzeit der Evolution. Vom animalischen zum kosmischen Bewusstsein“ hat mich schon vom Titel her fasziniert, als es raus kam (ich glaube auf deutsch 1984, ich lese Wilber also schon seit 30 Jahren). Von Wilber beeinflusst schrieb ich dann eine „integrative Bildungs-Theorie“, noch bevor Wilber den guten Gebser gelesen hatte und sein „zentaurische Bewusstsein“ dann nach Gebser „integral“ nannte. Ich selbst kam intuitiv auf den Begriff „integrativ“. Der Hammer war, dass ich versuchte, den evolutionären Begriff der Bildung (in der Evolution „bildet sich alles“) mit dem pädagogischen Begriff der Bildung zu integrieren (Halleluja!). Ich nannte diese Integration von Evolution und Pädagogik dann auch – von Hegel beeinflusst – „Bildung des Geistes“ (ein Begriff, der bis ins NICHTS abtaucht).

Irgendwann nach „Halbzeit der Evolution“ – ein Vierteljahrhundert später – führte mich mein Daimon (Seelenführer, Sie wissen schon …) dann aus dieser Falle des integralen Superverstand-Giga-Alles-Theorie heraus. Mich begann das Symbolische zu faszinieren, das „senkrechte Denken“, grob das aktuelle, archetypische Werk von Ruediger Dahlke nach C. G. Jung. War ich bisher ein geistig sehr abgehobenes Wesen mit geringem Bodenkontakt und geringer Familienbindung (Tierkreiszeichen „Wassermann“ in ganzer Essenz), und litt trotz geistigem „Flow“ an dieser Einseitigkeit, der einseitigen Ausbildung des Verstandes. Vor 5 Jahren führte mich mein „Daimon“ ins Reich der Seele (also extrem grob das Emotionale, besser: das intuitive Seelenfühlen) … und 2 Jahre später nach Südfrankreich zu meiner Familie (Sohn und Enkel) auf den MARS, einem Bergdorf in den wilden Cévennen. Hier habe ich zum ersten Mal auch Skorpione gesehen. Es wimmelt hier nur von archetypischen Symbolen. Ja, es war ein erster kraftvoller Willensakt, meine Zelte in Deutschland abzubrechen und hier nach Südfrankreich zu ziehen. Ich wusste noch nicht, dass sich damit auch Selbst-Schwerpunkt in die Domäne des Willens verschieben würde (und es dauerte auch noch etwas). Ich lebte hier mit meiner Familie (schon langsam selbst „Ahne“ geworden) viel ausgeglichener, obwohl ich auch immer noch spüre, es ist noch nicht DAS WAHRE. Ja, und damit war ich reif für Ihr Buch „Der Wille“ und weiß jetzt, was mir auf meinem Seelenweg noch fehlt: DER BEWUSSTE WILLE ZUR EVOLUTION, wirk-lich kraftvolles Werk-zeug zu sein, der in er materiellen Welt etwas be-wirkt.

Wenn Sie mich fragen würden: Was ist denn Ihr EVOLUTIONÄRER WILLE – HIER UND JETZT?, dann wäre meine Antwort sofort klar: Permakultur in unserem Garten, hier als Großvater für die nächsten Generationen wirklich ein Paradies für alle Kreaturen zu erschaffen (wohlwissend, dass „Paradies“ nichts anderes als „Garten“ heißt). Ja, und ich weiß noch etwas anderes: Es war vor 15.000 Jahren der Gartenbau, der uns Menschen in eine ganz neue Zeit (im wahrsten Sinne des Wortes) gebracht hat. Heute beginnen wir mit unserem evolutionären Willen wieder beim Gartenbau, um Heilbiotope zu schaffen. Es ist kein „Zurück“ (wie die meisten auch Rousseau missverstanden haben), sondern eine „bis an die Wurzeln gehende“ „bewusste Negation der unbewussten Antischöpfung“ – frei nach Hegel.

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* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 41 Leser/innen.