Schöpfung – Anti-Schöpfung – Co-Evolution

Mir „geistert“ schon seit einigen Tagen der Begriff der „Anti-Schöpfung“ von Heinz Klein durch den Kopf (z.B. „Sein eigener Meister und Schüler“, S. 133). Ich verstehe den Begriff und finde ihn faszinierend. Bei mir kreist (oder sollte es heißen „kreißt“?) ja zur Zeit alles um das Thema des schöpfungsgerechten Handelns. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass es das noch nicht gewesen, dass es noch nicht die Lösung sein kann …

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Anti-Schöpfung meint (ich drücke es jetzt mit meinen Worten aus): das Eingreifen des Menschen in die Schöpfung auf eine Weise, die nicht schöpfungsgerecht ist. Die großen Themen sind z. B. Atomspaltung und Genmanipulation. „Der Mensch“ manipuliert direkt Bausteine der Natur und verändert sie, ohne die Konsequenzen unter Kontrolle haben zu können. Kurz: Der Mensch spielt aus einem „Eigenwillen“ heraus Gott, spielt sich zu Gott auf. Sein Wirken wird teuflisch! Dieser Satz ist sehr bewusst gewählt und ganz im Sinne von Hans Klein, der im Zusammenhang mit der Anti-Schöpfung an „Satan, den Fürsten der Welt“ erinnert.

Der Mythos von Satan meint ja, dass dieser Oberengel „Luzifer“ (Lichtträger) sich stolz anmaßte zu sagen: Ich bin Gott! (Dieser Stolz wird dann zur ersten „Todsünde“.) Und dieser Gottes-Wahn führt zum teuflischen Handeln, das Böses in die Welt bringt. (Es geht mit in diesem Blogbeitrag um etwas anderes und deshalb bin ich in meiner Argumentation hier etwas sehr grob.)

Bringen wir es wieder auf den Punkt: Antischöpfung ist Menschenwerk mit dem Potenzial der Selbstvernichtung des Menschen und einem Großteil der Natur (Stichwort: Artensterben, Klimakatastrophe, Armut, Völkermord). Manche Denker haben die Menschheit schon als „Krebsgeschwür auf dem Planeten“ beschrieben.

JAAAAA!!!!!, aber …

Dieses kritische Denken ist berechtigt, doch es ist Anklage und noch keine Lösung. Ich erinnere mich an den „kognitiven Dreisatz“ von HEGEL: These – Antithese – Synthese. Was wäre die Synthese nach Schöpfung und Antischöpfung? (Gute Frage, oder?) Den Begriff zur Synthese gibt es ja schon: Co-Evolution. Doch was sollten wir sinnvollerweise darunter verstehen? Einfach interpretiert macht der Begriff aus dem teuflischen „Ich bin Gott“ die demütige Aussage: Wir sind Mit-Schöpfer. Wir (Menschen) ersetzen nicht Gott (und wären damit selbst nur bösartige Ersatzmenschen …), sondern ko-operieren „als Kinder Gottes“ mit Gott, arbeiten mit der Schöpfung zusammen. Wir verstehen uns als Kinder von Mutter Erde. (Und Mutter Erde sieht uns nicht als Krebs, sondern als ziemlich unerträgliche Jugendliche in der Pubertät – so kann man – wie Duane Elgin es tut – die Menschheit auch wahrnehmen.)

Apropos Duane Elgin: Er interpretiert die „Reise der Menschheit“ in dem „Dreisprung“ als Helddenreise: Erwachen (unbewusste Einheit mit der Natur; schwaches Selbst-Gefühl), Initiation (bewusste Abspaltung von der Natur; starkes Selbst-Gefühl) und Rückkehr (bewusste Einheit mit der Natur; starkes Selbst-Gefühl); in: Ein Versprechen für die Zukunft, S. 22 ff)

Mit der Synthese der Co-Evolution verändert sich auch der Charakter der Anti-Schöpfung: Aus dem Teuflischen wird wird selbst eine transformatorische Kraft – ganz wie FAUST (Goethe) es schon sah: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Co-Evolution ist also das Zusammenwirken von göttlicher Schöpfung und der sich seiner selbst bewusst werdenden Evolution durch den Menschen. (Etwas knackig formuliert, doch gut, oder?) Dazu muss der „Ersatzmensch“ als Menschheit zum „wahren Menschen“ transformieren (auch das ist ein Anliegen von Heinz Klein).

Anders formuliert: Im Menschen wird die von der Schöpfung des GEISTES (These) bisher unbewusste Evolution als Anti-Schöpfung (Antithese) sich ihrer selbst im Menschen bewusst und hat in der Co-Evolution (Synthese) als Zusammenwirken von „Gott und Mensch“, Natur und Kultur die Chance, zum GROSSEN WERK fortgeführt zu werden. Der bisher tierische Mensch transformiert sich bewusst zum menschlichen Menschen (zur göttlichen Menschheit hingegen ist es noch ein weiter Weg). Es erinnert mich an MARX, der die Klassengesellschaften als Vorformen der dann erst wirklich menschlichen Gesellschaft gesehen hat (die er Kommunismus nannte).

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 230 Leser/innen.