Schicksal und Bestimmung

Es muss einen tieferen Grund haben, dass mir ausgerechnet JETZT eine der Astrologie gegenüber sehr kritische Passage von Swami Vivekananda (1863 – 1902) „über den Weg läuft“, aus „Vedanta. Der Ozean der Wesheit.“ Ich habe ihn vor allem zum „Karma Yoga“ gelesen, den Weg der Berufung. Ich zitiere …

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Der Mensch als Bestimmer seines Schicksals

Vedanta, S. 116 – 117 (Ich empfehle den kompletten Text, hier nur die polemischen Spitzen:)

Ich habe Astrologen erlebt, die wunderbare Dinge voraussagten, aber ich glaube nicht, daß sie das aus den Sternen hatten. … Manchmal gibt es gute Voraussagen, aber oftmals ist es reiner Unsinn.

Wir mögen unter dem Einfluss der Planeten stehen, aber es sollte uns wenig kümmern. Buddha hat gesagt: „Man sollte die meiden, die vom Kalkulieren mit den Sternen leben oder von anderen Tricks.“ … Wenn ein Stern mein Leben stören kann, ist es keinen Pfennig wert. Astrologie und all die mystischen (wahrscheinlich im Sinne von „okkult“ gemeint – JS) Dinge sind oft nur ein Zeichen von Schwachsinn. Sobald sie von unserem Denken Besitz ergreifen, sollten wir den Arzt aufsuchen, gut essen und uns Ruhe gönnen.

… Wenn ein Mensch einen anderen um Geld betrügt, ist der eine ein Narr und der andere ein Lump. Wieviel frevelhafter ist es, einen anderen spirituell zu betrügen! … Die Pflicht der Philosophen ist es, uns über den Aberglauben hinauszuführen. Selbst diese Welt, dieser Körper und dieses Denken sind Aberglaube. Wir sind unendliche Seelen! Was für ein beschämender Zustand, von funkelnden Sternen verführt zu werden! Wir sind Gottheiten, und die funkelnden Sterne existieren durch uns. …

Die höchsten Dinge liegen unter euren Füßen, weil ihr göttliche Sterne seid. Alle Dinge liegen unter euren Füßen, und ihr könnt die Sterne zu Haufen verschlingen, wenn ihr wollt – das ist euer wahres Wesen. Seid stark, überwindet jeden Aberglauben, und seid frei!

Mein erster Kommentar: JA! Aber …

Ich stimme Swami Vivekananda grundsätzlich zu, und die gängige „Yellow-Press-Astrologie“ (wenn ich mich so grob ausdrücken darf) ist auch heute noch eher ein Betrugssystem für Menschen, die noch im Aberglauben gefangen sind.

Es ist ABER auch ein altes astrologisches Wissen seiner MEISTER, sich nicht von den Sternen beherrschen zu lassen, sondern sein Schicksal und damit auch die Sterne zu beherrschen, sich aus dem Schicksal der Gesetze und Zahlen zu befreien (wie mich Heinz Klein kürzlich so verblüfft hat: Die 8 befreie die 7 und die 13 befreie die 12).

  1. Eine „postmodernen“ Astrologie sieht nicht in der Physis der Planeten, Sterne und Tierkreiszeichen die unmittelbare Beeinflussung, sondern in Schwingungen und Feldern. Die Planeten … sind nicht der (kausale) Ursprung der Beeinflussung, sondern symbolisieren Urprinzipien, kristallisieren Energien. (Ich würde in den Planeten lieber Engslsenergien sehen als patriarchalische Archetypen.)
  2. Eine „integrale Sternenkunde“ (Ueli Seiler-Hugova) darf nicht wegsehen von den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Astronomie. Mit jedem astrologischen Zeitalter (2.150 Jahre) ändert sich die Konstellation in den Tierkreiszeichen, die Fixsterne sind gar nicht so fixiert (die Unterscheidung zwischen siderischen und tropischen Sternenbildern).
  3. Die klassische Astrologie ist eine Astrologie des WIDDER-Zeitalters (und älter), die Differenzierung zwischen Tierkreiszeichen und Häusersystem (Aszendent usw.) ist wohl eine Astrologie des FISCHE-Zeitalters. Im jetzt kommenden WASSERMANN-Zeitalter brauchen wir wieder eine NEUE ASTROLOGIE, um den Veränderungen am Himmel gerecht zu werden und unsere DEUTUNG der Konstellationen in neuem Licht zu sehen  – z. B. befreit vom „Kriegsgott MARS“ und anderen alten, patriarchalischen Archetypen.
  4. Die eigentliche Frage ist aber: Braucht es auf dem direkten Weg ÜBERHAUPT eine Astrologie?! Ist eine neue „Seelen-Astrologie“ eine wirkliche Hilfe auf dem Seelenweg oder ein weiteres Irrlicht auf den vielen indirekten Wegen der Verwirrung? (Achtung: Oder-Falle!)
* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 19 Leser/innen.