Mein Bezug zu Karl Marx

Berühmt ist der Satz von Karl Marx:

Die Philosophen haben die Welt bisher nur unterschiedlich interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.

Mit MARX wurde die Philosophie als „dialektischer Materialismus“ politisch. Vom Anspruch her wollte MARX eine philosophische Anleitung zum transformatorischen Handeln entwickeln, um mit dem „Kommunismus“ die wahre menschliche Gesellschaft zu erschaffen. Vor der Tragik des Marxismus hat schon Goethe im FAUST gewarnt – quasi im Umkehrschluss: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.“ Das bringt die ganze „Anti-Schöpfung“ des Marxismus und Kommunismus auf den Punkt! (Um nicht missverstanden zu werden: Der „Christliche Kapitalismus“ reiht sich mit ein in diese „Anti-Schöpfung“.) …

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1968 war ich 17 Jahre alt. Ich verstand mich ein Jahrzehnt als Marxist (bis mein Sohn auf die Welt kam und meine Werte radikal veränderte). Als Marxist habe ich damals das ganze Spektrum erlebt: Von ideologischen Dogmatismus (mit der „Kulturrevolution“ in China war ich „Maoist“) und als DKP-Mitglied eine Zeitlang verblendeter (westdeutscher) Bewunderer DDR. Als Pädagoge hat mich immer das marxistische Ideal des „allseitig gebildeten Menschen“ fasziniert, das ich in der DDR ansatzweise realisiert sah.

Längerfristig hat mich der Versuch gepackt, den Marxismus mit der Psychoanalyse zu verbinden: Erich Fromm, Wilhelm Reich, Marcuse, Kritische Theorie um Horkheimer, Adorno und Habermas bis hin zu Dieter Duhm.

Ideologisch befreiend waren für mich dann die Schriften von Karl R. Popper, seine Kritik an geschlossenen philosophischen und politischen Systemen (einschließlich Platon mit seinem „Philosophenstaat“), seine Vision der „offenen Gesellschaft“.

Mich hat die Idee von Marx, dass wir erst in der Übergangsgesellschaft zur wahren Menschheit leben, als junger Mann fasziniert. Es ist intellektuell mein Lebensthema geblieben, dies zu verstehen und diese Transformation zum „wahren Menschen“ selbst zu (er)leben. MARX ist für mich immer noch ein Stachel für eine „politische Spiritualität“, die nicht das Gute will und das Böse schafft, sondern in der Co-Evolution bewusst das GROSSE WERK fortsetzt.

Gleichzeitig ist mir die Warnung Poppers vor geschlossenen, „totalitären“ philosophischen Theorien und politischer Praxis eine „lebenslange Lehre“ geblieben. Auch die „integrale Philosophie“ als THEORIE VON ALLEM (sei es bei Wilber oder Laszlo) neigt zu diesem Totalitarismus. Wir brauchen ein umfassendes Verstehen, doch immer auch die Offenheit der evolutionären Spontaneität.

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