Lutz von Werder (1)

… ist für mich einer, nein DER maßgebende Pädagoge in meiner Lebensgeschichte. Mehr noch als mir bewusst war und mir jetzt erst bewusst wird: Die Stichworte seines Lebens „antiautoritäte Erziehung, proletarische (Erwachsenen-) Bildung, spirituelles Schreiben, Lebensphilosophie als Lebenskunst sind auch meine Stichworte. 

>>>>>>>>>

Bevor mein Sohn auf die Welt kam (8. Mail 1979) war ich Marxist, nach seiner Geburt „Antipädagoge“. Mein Sohn war es, der mich „umerzogen“ hat: Das Wohlergehen meines Sohnes wurde mich wichtiger als die „Weltrevolution“. Theoretisch haben mich dabei Arbeiten von Lutz von Werder über „antiautoritäre Erziehung“ inspiriert. Ich las alles, was ich von Lutz von Werder in die Hände bekam.

Ich begann selbst Pädagogik zu studieren. Wir hatten in Bochum-Werne einen „antiautoritären Kinderladen“ namens „Volle Hose“. Meine erste Diplomarbeit trug den Titel „Psychologische Grundlegung der Antipädagogik“ (Piaget und andere). Irgendwann zog mein Sohn mit seiner Mutter nach Südfrankreich, ich machte mich als „Texter“ selbstständig – und habe auch Lutz von Werder als Pädagoge und Autor aus dem Sinn verloren.

Vom „Werbetexter“ (es war eine wichtige Schule der Achtsamkeit Worten gegenüber) wurde ich zum Lektor, Textredakteur, Ghostwriter eines spirituellen Autoren. Ich kam auf den Weg des „spirituellen Schreibens“. Hier war für mich auch die „Lebensschule“ nach dem deutschen Mystiker K. O. Schmidt von Bedeutung, gründete im Internet eine Online-Lebensschule. Mich faszinierte „Lebensphilosophie“ immer, las Henri BERGSON „Schöpferische Entwicklung“.

Und dann kam die „Wiederentdeckung“ von Lutz von Werder in der Form seines „Lehrbuch der Philosophischen Lebenskunst für das 21. Jahrhundert“ (2000), erstmals gelesen 2010. Ich war völlig verblüfft, Lutz von Werder in diesem Feld der Lebensphilosophie wiederzufinden. Ich war zwar etwas irritiert, weil ich seinen „Atheismus“ nicht verstand – bis ich im aktuell gelesenen Buch „Spirituelles Schreiben“ kapierte, was er damit meint: ein Existentialismus zwischen Gottlosigkeit des Buddhismus und Pantheismus Spinozas. Da, wo alles Ausdruck des Göttlichen ist, verschwindet ein PERSÖNLICHER GOTT, geht die Mystik über Gott als Schöpfer hinaus in das NICHTS der „nichtwirkenden Gottheit“ (Meister Eckhart). Ja, das „sehe“ ich auch so.

Am 5., 6. und 7. Februar diesen Jahres las ich sein „Lehrbuch der Philosophischen Lebenskunst“ wieder. Es hat ganz wesentlich zur Ausrichtung meines „philosophischen Tagesbuches“ geführt. Es kam mir vor wie mein Durchbruch des „Selberdenkens“ und der Gewissheit, längst mein eigener Meister zu sein.

Es ist wieder eine merk-würdige Synchronizität, dass ich das Buch „Spirituelles Schreiben“ von Lutz von Werder entdecke, da ich selbst eine „Spirituelle Autorenschule“ aufbaue.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 45 Leser/innen.