Kleine, alltägliche Wunder

Es gab eine Zeit, da habe ich ein „Wunder-Tagebuch“ geführt: Alle „Zufälle“, die mir wunderbar erschienen, habe ich in ein Tagebuch eingetragen. Es verschaffte mir dann mit der Zeit die Sicherheit, dass die „Zufälle“ in meinem Leben Ausdruck von Wundern aus einer höheren Welt waren. Dann war die Gewissheit da und ich brauchte nicht weiter zu schreiben. Doch gestern sind gleich zwei erstaunliche Dinge passiert, die ich aufschreiben möchte. Staunen-Können hat etwas damit zu tun, Wunder, die uns umgeben, auch wahrzunehmen 

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Gartenarbeit: Wir bereiten unseren Garten auf Permakultur vor. Permakultur ist hoch-gradig intelligent und arbeitet mit Hoch-Beeten: Das Anpflanzen findet nicht so sehr auf der zweidimensionlen Ebene und Fläche statt, sondern auch in dreidimensionaler Tiefe und Höhe. Statt eines Komposthaufens, ist jedes Hochbeet quasi ein Perma-Komposthaufen. Sobald der Garten ganz auf Permakultur umgestellt ist, braucht es im Grunde keinen Komposthaufen mehr. Soweit – sogut. Nach Anlegen der Terrassen zum Anpflanzen am Berghang bin ich gerade dabei, diese Hochbeete zu planen und das Material dafür zu sammeln.
Gleichzeitig demonierte ich das alte Hühnerhaus („poulailler“), nachdem unsere Hühner ihre „neue Villa“ etwas tiefer im Garten bezogen haben. Und „Demontieren“ meine ich wirklich sanft, d.h. ich baue es Stück für Stück mit möglichst geringem Materialverlust wieder auseinander. Dazu gehört der Maschendraht um das Hühnerhaus mit Hunderten von Krampen am Holz befestigt.
Beim Studieren meiner Bücher über Permakultur in der Arbeits-Pause fällt mir plötzlich auf, dass man jedes Hoch-Beet mit einem Maschendraht von unten gegen Wühlmäuse und Maulwürfe schützt. Ich hatte dies vorher überhaupt nicht wahrgenommen, es nicht gesehen, war blind dafür. In dem Moment, wo ich den Maschendraht aus der Demontage des Hühnerhauses gewinne, sehe ich es, dass ich ihn direkt in den nächsten Tagen beim Anlegen der Hoch-Beete wieder verarbeiten kann. Es war nicht geplant, das alte Hühnerhaus zu demontieren, um Material für die Hoch-Beete zu haben (auch das gewonnene Holz kann ich sofort wieder verarbeiten).
Es erstaunt mich, wie sich da ein höherer Plan manifestiert, der besser ist als ich es selbst hätte planen können. Es zeigt mir, dass meine Arbeit wirklich STIMMIG ist. Es ist ja „eigentlich“ keine große Sache, hier ein Hühnerhaus sanft zu demontieren und da Hoch-Beete für die Permakultur zu „installieren“ (im Französischen „installiert“ man gerne). So einfach kann „schöpfungsgerechtes TUN“ sein. Überhaupt: Diese kleinen täglichen Wunder zeigen mir immer wieder, dass ich immer alles habe, was ich WIRKLICH brauche. (Und umgekehrt gilt: Was ich nicht habe, brauche ich auch nicht. Wo ist da noch Platz für Mangel?)

Beim Abendessen versalze ich mir meine Bratkartoffeln etwas. Es macht das Essen nicht ungenießbar, doch es ist gerade an der Grenze zu „Salz satt“. Nachts gegen 2 Uhr (also heute morgen) wache ich dann mit einem „unstillbaren“ Durst auf (Salz macht durstig). Kaum bin ich wieder im Bett, erlebe ich über 2 Stunden einen Sturm von Ideen, so dass ich meine Notizzettel ins Bett nehmen muss, um alles festzuhalten und wieder einschlafen zu können. Es ist auch eine grandiose Lösung zur Zahlenmystik (Zahl und Form) dabei. Zwei Stunden fast ununterbrochenes Festhalten von Ideen (ein paar dazu werde ich heute noch hier einstellen).
Die Frage nach dem Wunder: Was hat mich dazu geführt, meine Bratkartoffeln zu versalzen, so dass ich durstig wach wurde und meinen Ideensturm nicht „verschlafen“ habe?

Das Leben ist wundervoll, wenn wir uns für diese Wunder öffnen und sie auch wahrnehmen. Es sind die kleinen, alltäglichen Wunder auf dem direkten Weg, der zum „schöpfungsgerechten Tun“ führen.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 74 Leser/innen.