Du Egoist!

Eine Grundfrage spirituellen Erwachens ist es, sein EGO zu transformieren. Soweit – sogut. Doch woran erkenne ich, ob ich noch ein Egoist bin oder mein Ego schon transformiert habe? Die Antwort ist verblüffend einfach … 

>>>>

Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben ein Stadium, da ist er ein Egoist. Besser gesagt: Sein Weltbild ist egozentrisch, alles scheint sich um ihn zu drehen. So wie die Menschheit ganz natürlich glaubte, Sonne, Mond und Sterne drehen sich um die Erde (geo). Dieses Weltbild nennt man geozentrisch. (Die Ähnlichkeit von EGO und GEO ist schon verblüffend.)

Säuglinge und Kleinkinder sind noch nicht egozentrisch. Sie haben körperliche Bedürfnisse, die sie lautstark zum Ausdruck bringen. Sie leben wie Tiere instinktgebunden. Dann entwickelt das Kind ein (menschliches) ICH, sein Weltbild wird egozentrisch. Das ist eine ganz natürliche Phase der Entwicklung. Die Phase davor können wir präegozentrisch nennen (prä = vor).

Ein EGO zu sein, besser: ein EGO zu HABEN, ICH-Stärke zu entwickeln ist eine wichtige Phase in der Persönlichkeits-Entwicklung. Es macht uns in der konkreten Gesellschaft überlebensfähig, passt uns an. Wir fallen aus dem Zentrum des Herzens heraus und werden mentale Kopf- oder emotionale Bauchmenschen. Es verbiegt unser Herz-Wesen. Wir werden zu Schauspielern im Spiel des Lebens. Doch irgendwann fragen wir uns, ob es noch etwas anderes hinter den vielen Rollen gibt, die wir in der Gesellschaft spielen. Gibt es hinter den Masken des Schauspielers noch ein „wahres Wesen“?

Irgendwann lösen wir uns von dieser Egozentrik oder Geozentrik. Wir erkennen, das etwas anderes im Mittelpunkt steht als mein Ego oder die Erde. Wir kommen in die Entwicklungsphase nach der Egozentrik. Wir werden postegozentrisch (post = nach). Sagen wir es etwas metaphorosch: So wie die Sonne zum Zentrum unseres Sonnensystems wird (heliozentrisch), so wird unser Herz – oder mehr noch – die Seele zum Zentrum unseres Wesens.

Wir haben aufgehört, Egoisten zu sein. Die Frage war: Woran erkenne ich es? Meine versprochen einfache Antwort lautet: Du bist, was du siehst! Mit anderen Worten: Du hörst auf, ein Egoist zu sein, sobald du aufhörst, Egoisten um dich herum zu sehen. Sobald du aufhörst, ein Egoist zu sein, gibt es auf dem ganzen Planeten keinen einzigen Egoisten mehr. Du SIEHST keine mehr, du KANNST keine mehr sehen, weil du selbst keiner mehr bist. „Du Egoist!“ gibt es in deinem Sprachgebrauch nicht mehr.

Was denn?! Du siehst nur noch Menschen mit liebenswerten „Macken“ (wenn überhaupt). Mit anderen Worten: Du siehst Menschen mit den liebevollen Augen des Herzens, mit denen das Göttliche sie sieht.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 36 Leser/innen.