Dieter Duhm

Es drängt sich mir heute regelrecht auf, den Einfluss von Dieter Duhm auf die Entwicklungsgeschichte meines Bewusstseins nachzuzeichnen. „Irgendwie“ schließt sich für mich wieder ein Kreis: völlig überraschend und erschütternd über Permakultur und Tamera. Fragen, die ich mir seit einigen Tagen stelle, finden eine Antwort: Wie kann Spiritualität politisch sein? Wie können wir auch die „Heiligen Kriege“ beenden? 

Eine Zukunft ohne Krieg
wird auch eine Zukunft
ohne Kriegsgott (Mars) sein.

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Dieter Duhm lese ich schon seit der „Schwarzen Reihe“ im Rosa-Luxemburg-Verlag Köln seit 1973, darunter auch „Warenstruktur und zerstörte Zwischenmenschlichkeit“ (die Dissertation von Dieter Duhm). Was mich jetzt biographisch etwas irritiert: Ich war 19 als ich meiner „ersten Liebe“ Elke einen langen Liebesbrief (mit Schreibmaschine) geschrieben hatte über Liebe und Warenbeziehung. Es muss 1970/71 gewesen sein. Duhms Buch kann ich noch gar nicht gekannt haben. Es war wohl ein mental ähnliches Resonanzfeld, in dem ich mich damals selbst bewegte, hatte auch schon die ersten „Raubdrucke“ von Wilhelm Reich gelesen. Dieser erste Aufruf von Duhm hat mich letztlich immer begleitet: „Revolution ohne Emanzipation ist Konterrevolution!“ Ich würde es heute vielleicht so formulieren: Der Kampf gegen das Böse ohne Transformation der Dualität führt nur in Teufels Küche. 😉

Neben „Angst im Kapitalismus“ war es das Buch „Aufbruch zur neuen Kultur. Von der Verweigerung zur Neugestaltung“, das mich tief bewegte, im August 1982 erstmals gelesen, im Jahr des Erscheinens. (Damals habe ich in meine Bücher immer eine kleine Notiz gemacht, wann ich sie gelesen habe.) Das Buch basierte nicht nur auf Wilhelm Reich, sondern auch Teilhard de Chardin. Es war der Aufruf, neue „Kulturzentren für Basiserfahrungen zu machen“, weg von den alten Revolutionsvorstellungen hin zur ökologischen und menschlichen Revolution, das erste Manifest von Duhm für einen neuen Humanismus im Einklang mit der Natur.

Mich selbst hat immer das Thema Anthropologie interessiert, die „Menschwerdung des Menschen“. Duhm hat hier wichtige Beiträge geliefert, die auch mein Denken widergespiegelt haben wie in seinem Buch „Der Mensch ist anders“ (1976, 2. Auflage). Jahre bevor es die „integrale Theorie“ nach Wilber gab, legte Duhm bereits eine „Synthese der Wissenschaft. Der werdende Mensch“ (1979) dar, was ich nahezu atemlos gelesen hatte.

Und dann verlor ich ihn aus meinem Bewusstsein (ging andere Wege Richtung WILBER), bis mir sein Buch „Die heilige Matrix. Von der Matrix der Gewalt zur Matrix des Lebens. Grundlagen einer neuen Zivilisation“ (2000) nach meiner „aktiven Wilberzeit“ in die Hände fiel, vielleicht 2009. Ich war jetzt selbst erst reif geworden für eine tiefe Spiritualität und erkannte sofort, dass hier die Matrix für eine ganz andere Art der Spiritualität gelegt wurde, im Einklang mit Natur und Schöpfung, die Matrix des Lebens. An ihn wieder erinnert las ich dann auch „Der unerlöste Eros“ und „Zukunft ohne Krieg“.

Was für Wege haben mich letztlich hin zu diesen Heilungsbiotopen im Kreise meiner Familie geführt, die ich jetzt auch hier in Südfrankreich im Bergdorf MARS im Sinne des Schöpfungs-Willens verwirklichen darf. Möge mein Wirken hier auch einen Beitrag leisten, unseren Mythos vom Kriegsgott MARS zu heilen.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 44 Leser/innen.