Das EGO schreit zum Himmel

Es gibt Menschen, die sehen in Widder-Geborene die größten Egoisten. Das glaube ich nicht. Das Ego hat viele Facetten. JEDES „unerlöste“ Tierkreiszeichen zeigt einen besonderen Ego-Aspekt. Ich denke, beim Tierkreiszeichen Widder ist es insbesondere der WILLE, die Thematik des Willens, ein Thema für jeden. Und deshalb ist dieser Seelen-Monat des Widders, der ja in die K-Woche und Ostern fällt, besonders geeignet, das Thema „Wille“ zu reflektieren.

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Die Befreiung oder Erlösung vom Leiden ist ja nicht nur das große Thema des Christentums, sondern auch das des Buddhismus; und in der modernen Version der Psychotherapie. Was ist „es“, was da leidet? Woran leidet „es“? Und wie ist das Leiden zu beenden?

Wenn der Körper leidet, nennen wir es Schmerz oder Krankheit, vielleicht sogar Altern und Tod. Wenn Gefühle unterdrückt sind, nennen wir es Leiden oder Qualen. Wenn der Verstand leidet, nennen wir es Probleme, Täuschung oder Unwissenheit. Kann die Seele auch leiden? Es kommt darauf an, was wir unter Seele verstehen. Wenn die Seele unser göttlicher Kern ist, dann kennt sie kein Leiden.

Was leidet, das ist das Ego. Es leidet an der Trennung: an der Trennung vom Göttlichen, der göttlichen Quelle des Lebens, der Trennung von der Seele, der Trennung vom Leben überhaupt. Das ist der Kern all unseren Leidens. Dieses Leiden zeigt sich in einem bestimmten Denken, das vom Herzen getrennt ist, unkontrollierten Emotionen, die von echten Gefühlen getrennt sind und einem Körper, der von der unsterblichen Quelle des Lebens getrennt ist.

Die Eltern des Ego sind Lieblosigkeit und Manipulation. Als Babys und Säuglinge sind wir noch EINS mit allem. Und dann entsteht langsam das Ich-Bewusstsein, die Trennung vor allem von der Mutter und dem DU. Das Kind spricht von sich nicht mehr mit dem eigenen Namen, sondern sagt selbstbewusst: Ich! Ein unglaublicher Sprung in seinem Selbstbewusstsein, ja, seinem Menschsein! Mit diesem Ich-Bewusstsein entwickelt sich auch eine gewisse Ego-Zentrik als Weltbild: das Ich wird zum Zentrum der eigenen Lebenswahrnehmung und perspektive. Auch das ist soweit nichts Dramatisches und ein Durchgangsstadium, so wie die Geo-Zentrik im frühen Weltbild der Menschheit: die Erde als Mittelpunkt des Universums.

Doch dann kommt das Drama, das wir „Trotzphase“ nennen:  Das Kind entwickelt „seinen eigenen Willen“, den es zu brechen gilt. Doch wir interpretieren seinen „Willen“ als „Eigenwille“. Da ist ein Kind, das sagt einfach NEIN! Es ist nicht mehr „brav“, nicht mehr so leicht zu steuern. Es wird richtig aufsässig, unangenehm, schwer erziehbar. Spätestens jetzt ist „Erziehung“ gefragt. Das Kind empfindet diese Erziehung der Erwachsenen als Lieblosigkeit und Manipulation – und versteht die Welt nicht mehr. Weil es noch abhängig ist, hat es keine andere Wahl, als dem „Machtwort“ der Erwachsenen zu folgen. Was da nach Liebe und zum Himmel schreit, ist das tief verletzte und von sich selbst entfremdete Kind. Es ist kein „göttliches Kind“ mehr, sondern ein entfremdetes, angepasstes Kind. Das Ego ist ein Kind, das sich nach Liebe sehnt, geliebt werden um seiner selbst WILLEN.

Der Ego-Wille, der „Eigenwille“ ist eine Illusion. Diese Egos sind extrem liebesbedürftig und manipulationsfähig. Sie tun alles für ein bisschen Liebe und Anerkennung. Sie haben als Marionetten keinen wirklichen Willen, bleiben Zeit ihres Lebens „ab-hängig“. 

In diesem „getrennten Selbst“ sind wir uns selbst als Menschen entfremdet, keine wahren Menschen, sondern Ersatzmenschen, Marionetten … und leiden darunter, weil irgendetwas in uns weiß, dass dies alles nur Maskerade ist, ein Narrenkostüm. Und wir haben Angst, dass uns die Maske abgerissen wird. Was wird sich dahinter zeigen?

Wie das Leiden zu beenden sei, darin unterscheiden sich Christentum, Buddhismus oder Psychotherapie doch erheblich. 

In der Psychotherapie geht es darum, das leidende Ich irgendwie wieder „funktionefähig“ zu machen, das Ich, die Persönlichkeit zu reparieren, die Maske zu flicken, neu auszuschmücken, vielleicht zu wechseln.

Der Buddhismus hat gewisse Verhaltensregeln entwickelt, deren erste lautet, die Persönlichkeit (die Maske) als Illusion zu erkennen und loszulassen. Der Einstieg in die Heilung ist die Meditation, die Stille, das Wahrnehmen des Braman. Die Heilungs-Version des Buddhismus geht am weitesten, über jede Vorstellung von Gott hinaus ins NICHTS („Nirwana“).

Das Christentum  nach Paulus sieht die Heilung im Jenseits. Die Erde ist ein Jammertal, dessen Herrscher der „Fürst dieser Welt“ ist, einem Satan, dem man in dieser Welt nicht entkommen kann. Wer gut ist und dem Bösen trotzt, dem ist das Himmelreich gewiss. Das Heilversprechen des Christentums liegt darin, ein guter Mensch zu sein.

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