Wo ist der Hans vor’m Jürgen geblieben?

Inhalt: Jemandem ist aufgefallen, dass ich vor einiger Zeit noch den Namen „Hans-Jürgen“ getragen habe und sich die Frage aufdrängt: Und wo ist der HANS vor dem JÜRGEN heute geblieben? Ich will „aus gegebenem Anlass“ heute einmal meinen Blogbeitrag diesem Thema widmen.  

 

Es muss um die Jahrtausendwende gewesen sein (ich war ca. 50), dass ich mir über den Sinn und die Botschaft meines Vornamens Gedanken gemacht habe. Mein Rufname aus der Kindheit war schnell entschlüsselt: „Jürgen“, okay, der Landmann, der Sämann; der Hl. St. Georg, der Drachentöter, als Namenspatron. Und dann hatte ich ja noch zwei andere Vornamen: Hans und Erwin. Hans = Johannes der Täufer, also ein spiritueller Bote und Wegbereiter von Jesus. ER-WIN ein sehr männlicher Name: Krieger und Freund des Volkes (Erwin ist der Name meines Patenonkels; Hans der Name eines anderen Onkels, beides Brüder meiner Mutter). Dann gab es noch die überraschende Information aus der Familie, dass mein Vater „eigentlich“ nicht Joachim, sondern Hans-Joachim hieß.

Ich wollte jetzt meinen „richtigen“ Namen statt meines Rufnamens aus der Kindheit tragen, den ich auch sehr schön spirituell deuten konnte und mit dem ich mich ungefähr 10 Jahre identifiziert habe: Hans-Jürgen = der spirituelle Lehrer (geistiger Sämann). Dieser „neue Name“ als Rufname für mich war wie eine spirituelle Taufe. Ich hatte meinen spirituellen Namen wiedergefunden. Es gab sogar einige Freunde, die mir dann mitteilten, dass sie „Hans-Peter“ oder „Hans-Martin“ hießen – und auch den HANS in ihrem Namen wiederentdeckten.

Ach, und dann gab es da noch eine familiäre Feinheit: Der Ehemann meiner Schwester, mein Schwager, hieß HANS (sie sind inzwischen geschieden) und war Astronaut. Meine Eltern waren so in der Hans-Euphorie, dass sie mich häufiger auch mit HANS anredeten. Sie hätten mich wohl gerne so gesehen wie ihn.

In meinen spirituellen Kreisen bis hin zu meiner Partnerin war ich jetzt Hans-Jürgen, also ob ich nie etwas anderes gewesen wäre. Doch meine Familie ließ sich nicht „umstimmen“. Ich blieb ein einfacher Jürgen ohne spirituellen Heiligenschein.

Das ging 10 Jahre gut bis mir eine Behörde aus irgendeinem Grunde mitteilte, dass es in meiner Geburtsurkunde keinen Bindestrich zwischen Hans und Jürgen gäbe (ich hatte den Hans-Jürgen in einem behördlichen Formular verwendet). Ich fiel aus allen Wolken! Ich war mir so sicher und hatte in meiner Geburtsurkunde gar nicht nachgesehen. Es konnte doch gar nichts anderes als ein Hans-Jürgen sein! Nix da, ohne Bindestrich. (Wie Striche doch das Leben ändern können.)

Okay, ich war einer Selbsttäuschung aufgesessen und reformierte meinen Namen wieder auf das schlichtere JÜRGEN, doch auch in Achtung und Verehrung des HANS und des ERWIN in mir.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 37 Leser/innen.