Paralleluniversen: über die Absurdität des Unendlichen

Inhalt: Meine heutige Reflexion gilt wieder einem Beitrag aus der ZDF-Mediathek „Das Geheimnis der Paralleluniversen“ (ich weiß nicht, wie lange der Link gültig ist). Es werden ziemlich „verrückte Ideen“ (Originalton) dargeboten. Ich denke, das eine und andere ist wirklich absurd – im Sinne von sinn-los. Ich sehe in meinem spirituellen Bewusstsein wirklich eine Kraft, die mich davor bewahrt, mich ins „Schwarze Loch der totalen Verwirrung“ stürzen zu lassen.  

 

Es werden drei Arten von Paralleluniversen vorgestellt, die ich kurz und in meinem Worten dargestelle:

  1. Unser uns bekanntes physikalisches Universum (Urknall vor 13,8 Milliarden Jahre usw.) ist nicht das einzige. Es hat noch eine Menge „Brüder und Schwestern“, die gleichzeitig (also parallel) existieren – und ein dem übergeordnetes Mutteruniversum.
  2. Es existieren innerhalb unserer Raumzeit gleichzeitig Paralleluniversen, zu denen wir keinen Zugang haben. Sie werden mit jeder unserer Entscheidungen getroffen. Also immer wenn ich mich statt für B für A entscheide, kreiere ich auch ein B-Universum, das durch die B-Entscheidung entstanden wäre. Soweit ist es einleuchtend. Doch die Theoretiker sind der Meinung, dass diese Welt der B-Entscheidung (mit allen Folgen daraus!) real ist und parallel auch noch existiert.
  3. Außerhalb unseres wahrnehmbaren Kosmos (es gibt Grenzen, darüber hinaus können wir nichts mehr wahrnehmen, weil uns kein Licht aus diesem ALL erreichen kann) UNENDLICH viele Universen. Und weil es unendlich ist, gibt es dort auch die Erde, so wie sie heute ist, wie geklont – mehr noch auch MICH (Jürgen Schröter) gibt es dort wie geklont. Um nicht missverstanden zu werden: Das ist nicht wirklich geklont, sondern einfach zwingende Notwendigkeit aus der Unendlichkeit. Bei unendlichen Varianten ist irgendwann eine Variante „wie geklont“. Das ist aber noch gar nicht der Höhepunkt der Auffassung. Denn wenn alles UNENDLICH ist, dann ist diese parallele Variante unserer Erde MIT MIR im unendlichen ALL kein Einzelfall, sondern kommt selbst wieder unendlich häufig vor.

Ich muss mich in der Diskussion über diese drei Varianten wirklich zügeln. Das Thema ist buchfüllend. Also so kurz wie möglich – aus einem spirituellen Standpunkt:

Zu 1: JA!

Es ist eher absurd zu glauben, das uns bekannte physikalische Universum sei das Einzige, was das Göttliche zuwege gebracht hätte. Warum sollte das Göttliche erst vor 13,8 Milliarden Jahre auf die Idee gekommen sein, etwas zu erschaffen? Es ist für mich sonnenklar, dass es in diesem Sinne ein Mutteruniversum und endlich viele Tochteruniversen (davon sind wir eines) oder „Multiversen“ parallel gibt.

Zu 2: NaJa!

Ich verstehe diese Theorie und habe mir selbst einmal ernsthaft Gedanken darüber gemacht. Es gab eine Situation in meinem Leben, da lag die Wahrscheinlichkeit einer persönlichen Katastrophe bei 99% und der gute Ausgang nur bei 1%. Dieser „gute Ausgang“ ist bei mir doch Wirklichkeit geworden, und ich habe mir damals schon überlegt, ob ich mit meinen eigenen Gedanken diese nur 1% Wahrscheinlichkeit habe Wirklichkeit werden lassen. Und was wäre passiert, wenn diese 99% Wahrscheinlichkeit eingetreten wäre? Ich glaube schon, dass es eine höhere Ordnung gibt, die in solche Situationen eingreift (Schutzengel, Wunder, was immer), die bestimmte Wahrscheinlichkeiten doch nicht wahr werden lässt – im stimmigen Interesse des Ganzen.
Doch diese zweite Theorie der Paralleluniversen besagt ja, dass ich mit jeder A-Entscheidung auch das B-Universum real erschaffe. Und das nicht nur einmal in meinem Leben, sondern täglich hunderte Mal. Und das mal 7 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Wir erschaffen als Menschheit also täglich mindestens 700.000.000.000 Paralleluniversen. Das fällt für mich in die Rubrik: interessante mathematische Gedankenspielerei. Frage: Was war das erste zweifelnde Wesen (wenn man entscheiden kann, muss man ja vorher zwei-feln), das durch seine Entscheidung das erste Paralleluniversum in unserer Raumzeit erschaffen hat? Ich will nur darauf hinweisen: Diese Theorie geht von einer unvorstellbar großen Zahl von Paralleluniversen – ich wiederhole mich: – innerhalb unserer Raumzeit aus, bleibt aber endlich. Die Absurdität liegt darin, dass ich alleine bisher in meinem Leben – einmal hoch gerechnet – 60 Jahre mal 365 Tage mal 100 Entscheidungen Pro Tag bereits 2.190.000 Paralleluniversen erschaffen hätte, also von mir und meiner Realität. Das macht komplett keinen Sinn – und was keinen Sinn macht, ist absurd. Es ist dann gar nicht von Bedeutung, dass ich mich für A entschieden habe, B passiert genau so und gleichzeitig. Dagegen ist die Vorstellung der Reinkarnation, die mir ja auch Hunderte Leben HINTEREINANDER erlaubt, regelrecht Kindergarten.
In meiner Weltsicht gibt es eine höhere Ordnung, die aus großen Anzahl von Realitäts-Wahrscheinlichkeiten nur EINE Wirklichkeit manifestieren lässt. Diese „höhere Ordnung“ hat noch genügend andere Möglichkeit, mit Realitäts-Wahrscheinlichkeiten und Wirklichkeiten zu spielen. (Zitat von gestern: „Was ist letzten Endes Gott? Ein ewiges Kind, das in einem ewigen Garten ein ewiges Spiel spielt.“ Sri Aurobindo)

Zu 3: Absurd im wahrsten Sinne des Wortes

Die Wissenschaft fragt bekanntlich nicht nach dem Sinn. Die Frage nach dem Sinn ist für sie unwissenschaftlich, etwas für die Religion. Damit „darf“ die Wissenschaft anscheinend alle sinnlosen Gedankenmodelle und Hypothesen entwickeln.  Vieles in der Relativitätstheorie, der Quantenphysik und anderer Bereiche der Physik sind nur noch mathematisch zu erfassen, jenseits unseres Vorstellungevermögens. Nichts dagegen! Doch diese mathematischen Modelle sind auch verführerisch, insbesondere die Mathematik des Unendlichen. Da muss dem zweifelden Verstand (Descart!) das Veto erlaubt sein: Dieses Ergebnis des UNENDLICHEN macht keinen SINN mehr, ist einfach nur noch ABSURD! Wenn hier nicht wieder die Sinn-Frage in die Wissenschaft eingebracht wird, dann verführt uns die Wissenschaft selbst ins Absurde.

Meine Sicht der Sinnfrage: Der Sinn des Universums besteht nicht darin, mit mir das Theater des Absurden zu spielen, will mich nicht verrückt machen, mich an der Nase herum führen. Es will mich nicht zum Staubkorn machen angesichts seiner Unendlichkeit. Das ALL ist nichts, was sich über mich amüsiert, sich vor mir versteckt, mich im Labyrinth der Sinnlosigkeit verrecken lässt. Die Schöpfung des Göttlichen hat einen Sinn: sich selbst in und durch sein Werk selbst zu erkennen. Ich bin ein Teil dieses Erkenntnisprozesses des Göttlichen. Was für einen Sinn sollte es machen, dass es unsere Erde (mit MIR z.B.) noch einmal („wie geklont“) im ALL gibt, gar unendlich oft. Das macht keinen Sinn. Das einzige, was Sinn macht, ist dass ALLES in diesem ALL einzigartig und einmalig ist. Einmaligkeit und Einzigartigkeit ist vielmehr die Essenz des „göttlichen Spiels“.

Das Göttliche IST unendlich, ja, doch ALLE seine Schöpfungen haben einen Anfang und ein Ende. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Und alles, was ein Ende hat, ist endlich. (So einfach ist das.) Das Absolute ist unendlich, das Relative ist endlich.
Die einzige Ewigkeit und Unendlichkeit ist selbst mit unserer Mathematik der Unendlichkeit nicht zu erreichen. Und da, wo unsere Mathematik mit Unendlichkeiten operiert, wird es absurd.

Doch es gibt einen Haken! Eines der spirituellen Grundsätze lautet: Alles ist möglich. Die Frage – die ich hier zum Weiterdenken stehen lassen will – lautet: Ist dem Göttlichen auch die Erschaffung von Absurdem und Sinnlosem möglich?  Oder etwas einfacher und in kindlicher Unschuld formuliert: Ist es Gott möglich, einen so schweren Felsen zu erschaffen, dass er ihn selbst nicht mehr heben kann?

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 56 Leser/innen.