Ist alles gut, so wie es ist?

Wir kennen den „oberspirituellen Spruch“:

Alles ist gut, so wie es ist.

Mit der Kritik an diesem Spruch möchte ich eine neue Kategorie in meinem Blog einführen: „Kritische Spiritualität“ 

 

Angesichts der zunehmen Dramen der Menschheit, scheint der Spruch sehr weltfremd, geradezu ein Hohn zu sein. Was soll an den Krisen globalen Ausmaßes „gut“ sein?  Wir sind als Menschheit im Überlebenskampf, vielleicht auf dem besten Weg, uns selbst zu vernichten.

Zunächst einmal muss uns bewusst sein, das Wort „gut“ signalisiert „die Dualität von gut und böse“ aus der Sicht des Ego. Das Ego kann die Welt nur einteilen in „gut und böse“ und dünkt sich selbst, gut zu sein. „Alles ist gut“ verschleiert diese moralische Dualität, indem ALLES als „gut“ benannt wird. Es gibt aber kein „gut“ ohne das „böse“. Vor allen Dingen IST das Böse auf einer bestimmten Ebene der Realität auch real.

Umgekehrt spüren wir aber auch: Irgendetwas an dem Spruch ist DOCH richtig. Es gibt da etwas Höheres, in dem ALLES in Ordnung ist. Vielleicht so ähnlich wie der Satz: Fehler machen ist gut! (Fehler sind natürlich „schlecht“ und nicht „gut“. Doch oft lernen wir über Fehler „besonders gut“, wenn wir sie denn erkennen und korrigieren. In diesem – und nur in diesem Sinne – könnten wir sagen: Fehler machen und aus Fehlern lernen ist gut!)

In der ABSOLUTE WELT, dem TAO, ist alles in Ordnung, in „göttlicher Ordnung“. NICHTS kann heraus fallen. Jeder, der ein Erleuchtungserlebnis welcher Art auch immer hatte, weiß um diese „absolute Wahrheit“. Es ist eine innere Gewissheit, die nicht in Worte zu fassen ist.

Doch indem wir diese unaussprechliche absolute Wahrheit in Worte fassen und aussprechen, in die YING-YANG Worte der dualen und relativen Welt bringen, werden sie „falsch“, zur Illusion, zur Selbsttäuschung, zur Sucht, der Grund zum Selbstbetrug, ein Anker der Manipulation.

So ist dieser Satz (Alles ist gut, so wie es ist) enorm verblendend, kann zur „Affirmation“ all dessen verführen, was da passiert, uns in die Trance des „Nichts tuns“ (mit dem falsch verstandenen „Wu-Wei“) und damit direkt in „die Hölle“ des ferngesteuerten Marionetten-Daseins als Egos führen. Der Missbrauch des Spirituellen beginnt beim Missbrauch seiner Worte und Begriffe.

Erleuchtung ohne Worte im TAO ist affirmativ, zustimmend –
Spiritualität in der dualen Welt dagegen kann nur kritisch
und in neue Weise aufklärerisch sein.

Die „Demaskierung“ des Egos hinter seiner spirituellen Maskerade ist die Aufgabe unserer Zeit im Sprung zu einer wahrhaft, humanen menschlichen Gesellschaft. Das klingt nun fast schon programmatisch für diese Blog-Kategorie.

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 128 Leser/innen.