Gartenarbeit: Die Philosophie der Permakultur

Inhalt: Das Wetter ist schon seit gestern so schön frühlingshaft, dass ich wieder im T-Shirt im Garten arbeite. Nichts, was philosophisch der Rede wert wäre? Weit gefehlt! Gartenarbeit ist für die Evolution der Menschheit ein ganz entscheidende Phase gewesen: das Sesshaft-werden, der Beginn der festen Sternenbeobachtung (Anfänge von Astrologie und Geometrie), das Weibliche gewann in unserer Kultur die Oberhand gegenüber der mehr männlich geprägten Kultur der Nomadenvölker. Aus der hauptsächlichen Fleischnahrung wurde hauptsächlich Pflanzennahrung. Ich finde es schon wichtig, sich bei der Gartenarbeit heute dieses evolutionären Ursprungs bewusst zu sein. – Der andere philosophische Zugang zur Gartenarbeit ist die Permakultur selbst.  Und da gibt es verblüffende Zusammenhänge.  

 

Permakultur ist eine Philosophie, die Lebensphilosophie der Nachhaltigkeit. Geprägt wurde dieser Begriff von den beiden Australiern Bill Mollison und David Holmgren Mitte der 1970er Jahre. Der Begriff entstand aus der Verknüpfung der Begriffe permanent agriculture (dt. dauerhafte Landwirtschaft). Die ursprüngliche Definition der Permakultur nach Bill Mollison:

„Permakultur ist das bewusste Design sowie die Unterhaltung von landwirtschaftlich produktiven Ökosystemen, die die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Die Philosophie hinter Permakultur ist eine Philosophie, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet, eine Philosophie, der fortlaufenden und überlegten Observation und nicht der fortlaufenden und gedankenlosen Aktion; sie betrachtet Systeme in all ihren Funktionen, anstatt nur eine Art von Ertrag von ihnen zu verlangen, und sie erlaubt Systemen ihre eigenen Evolutionen zu demonstrieren.“

Es ist doch faszinierend, in dieser Definition der Permakultur Grundbegriffe der ursprünglichen Gartenarbeit wiederzufinden. Als die Menschen (vor allem Frauen) vor vielleicht 15.000 Jahren die Gartenarbeit erfanden, waren sie noch ganz und gar im Einklang mit der Natur. An den männlichen Slogan „Macht euch die Erde untertan!“ war noch gar nicht zu denken. Die Menschen waren ganz im Modus, die Natur und Sterne zu beobachten, um natürliche Rhythmen zu erkennen und daraus zu lernen. Was für eine „Erleuchtung“, als die Menschen erstmals sich der Wintersonnenwende bewusst wurden (21. Dezember) und wussten, ein neues Jahr und ein neuer Zyklus beginnt. Die Menschen „fielen in die Zeit“, ins Zeitbewusstsein. Neben der Sonne und ihrem Gang durch das Jahr war natürlich der Mond für die Himmelsbeobachtung und den Gartenbau in der „Feinjustierung“ von Aussaat und Ernte entscheidend, das weibliche Prinzip. Die Menschen lernten von Natur und Kosmos, nutzen ihre Gesetze.

Da gab es auch keine „Monokultur“, dass die Menschen auf eine einzige Pflanze setzen, sondern Verschiedenartigkeit, Diversifikation als Überlebensprinzip, als Prinzip der Widerstandsfähigkeit.

Noch etwas anderes Verblüffendes: Nachdem die Menschen der „Steinzeit“ sich der Rhythmen der Natur bewusst wurden, wollten sie „Nachhaligkeit“ schaffen, eine Kultur für die Ewigkeit errichten. Sie dachten nicht mehr nur an „die nächste Mahlzeit“ (Getreide mahlen!), sondern über Generationen hinweg. Die „Geräte der Himmelsbeobachtung“ wurden aus Stein (wie Stonhege), ihre Gräber aus Stein, noch bevor sie sich selbst Tempel und Häuser aus Stein bauten. STEIN war offensichtlich das Medium der Ewigkeit: die Hardware eines (weiblichen) Bewusstseins des ewig zyklischen SEINS.

Ja, es geht wieder um Evolution! Wir leben wieder inmitten eines Quantensprungs in der Evolution der Menschheit, der „Rückkehr der Göttin“, der Rückkehr weiblicher Prinzipien in unsere Kultur. Und da ist die Wiederentdeckung des weiblichen Gartenbaus der Nachhaltigkeit in der Permakultur sicher kein Wunder. Und diese ursprünglich auf den Garten bezogene Wiederentdeckung natürlicher Prinzipien ist in der philosophischen Grundlegung bereits zu einem Ökosystem für die ganze Gesellschaft geworden. Und mit mit dieser Wiederentdeckung ursprünglicher Lebensprinzipien einher geht die Renaissance der Astrologie und der fleischlosen Ernährung. Zufall? Nein – ein integrativer Zusammenhang, den wir bewusst pflegen sollten.

Spürst du die liebevolle Umarmung
von Mutter Erde und Vater Himmel?

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 43 Leser/innen.