Das Problem mit den Problemen

Ich habe heute erst die Buchbesprechung von Stephen Covey „Die 3. Alternative. So lösen wir die schwierigsten Probleme des Lebens“ (zum 31.1., sehr empfehlenswert!) eingestellt. Es ist schon ein sehr vertracktes Thema … die Sache mit den Problemen …

 

Es gibt einen spirituellen Spruch, der lautet: Es gibt keine Probleme. Oder: Nur das Denken ist das Problem. Mich hatten diese Aussagen immer „verrückt“ gemacht angesichts der Probleme, die ich hatte! Ich kann doch keine Probleme „wegmeditieren“ oder „wegaffirmieren“, Mandalas singend: Es gibt keine Probleme, es gibt keine Probleme, es gibt keine Probleme, … Mal abgesehen von meinen eigenen, ist die Welt doch ein Haufen voller Probleme. Was sollen da diese spirituellen Sprüche: Es gibt keine Probleme!? Wer will mich denn da für doof verkaufen?

Mich hat die knackige Definition des Philosophen Karl Raimund Popper immer gefreut und in gewissem Sinne überzeugt:

"Leben ist Problemlösen."

Das schien mir viel realistischer zu sein. Die ganze Evolution ist ein Lösen von Problemen. Warum sollte sich irgendetwas entwickeln, wenn es keine Probleme zur Lösung gäbe? Probleme sind Herausforderungen, die wir lösen und an denen wir wachsen. 

Der Spruch von Bert Brecht ist auch nicht von schlechten Eltern:

"Denken ist etwas,
das auf Problemen folgt
und dem Handeln vorausgeht."

Sind Probleme einfach nur Illusionen oder sind sie wirklich existent? -Vielleicht ist auch das ODER das „ganze Problem“. …

Ich sehe es so:
Was für den Körper die Schmerzen sind,
sind für Gefühle das Leiden und
für den Verstand die Probleme.
(Nachsatz: und für die Seele die Trennung.)

Ich sage es einmal ganz krass:
Wir haben keine Schmerzen, wenn wir keinen Körper haben,
wir haben kein Leiden, wenn wir keine Gefühle haben,
wir haben keine Probleme, wenn wir keinen Verstand haben.
(Nachsatz: Wir haben keine Trennung, wenn wir keine Seele haben.)

Anders gesagt:
Wir haben Schmerzen, weil wir einen Körper haben.
Wir leiden, weil wir Gefühle haben.
Wir haben Probleme, weil wir einen Verstand haben.
Wir sind vom Göttlichen getrennt, weil wir eine Seele haben.

All das ist real in der relativen Welt (manche nennen sie „dual“). Und all das ist Illusion in der absoluten Welt (manche nennen sie „nondual“). Wir leben in beiden Welten. 

Ja, es gibt eine Welt, in der gibt es keine Probleme.
In einer unschuldigen Kindersprache könnten wir sagen:
„Gott hat keine Probleme, er hat nur Grund zum Lachen.“

Doch wir müssen uns auch bewusst sein:
In dieser absoluten Welt, in der es keine Probleme gibt,
da gibt es auch keinen Körper, da gibt es keine Gefühle,
da gibt es kein Denken, da gibt es keine Seele,
da gibt es kein Leben und keinen Tod.

So wie wir in beiden Welten leben, der absoluten und der relativen, gibt es beides: relative Probleme und absolute Problemlosigkeit. Gut, dass es einen Verstand gibt, der solche Denk-Probleme lösen kann … oder waren es jetzt DOCH KEINE PROBLEME? :-)

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 12 Leser/innen.