Fließenlassen und Festhalten: ein Monat Blog-Schreiben

Inhalt: Ich habe das Blog als mein „philosophisches Tagebuch“ vor einem Monat am 28. Januar zu meinem 64. Geburtstag erstmals begonnen. Es ist noch zu früh, nach einem Monat schon ein Fazit zu ziehen, doch erste Zwischenergebnisse zeigen sich schon. 

 

Meine erste Zusammenfassung als Zwischenergebnis

  • Ich hätte nie erwartet, dass ich jeden Tag etwas Schreibenswertes mitzuteilen hatte. (Inzwischen könnten es sogar mehr als ein Beitrag pro Tag werden). Mit dem Führen eines Tagebuches lebt es sich zudem achtsamer! Also ob ich schon die ersten Seiten meiner Autobiographie verfassen würde. (Ach, ich hatte dieser Tage jemand mal ganz im Scherz gesagt: Vielleicht schreibt meine Enklin ja einmal dieses Blog auswertend ein Buch: „Was mein Opa schon so alles Tolles  gedacht hat!“ Ist dieses Schaffen schon ein Stück „Hinterlassens-Schafft“?
  • Als PHILOSOPHISCHES Tagebuch werte ich meine täglichen Lebensereignisse tiefer, als „philosophische Ereignisse“. Es bekommt alles mehr Weisheit.
  • Dieses Tagebuch ist sogar auch ein Stück MEDITATION – zunächst im Sinne philosophischer Tradition des Abendlandes: das (philosophische) Nachdenken über sich selbst oder ein Thema. Aber auch im Sinne der indischen Meditation: Ich bin Zeuge meiner selbst und beobachte, welche Themen durch mich fließen. Ich lasse es durch mich fließen und halte es gleichzeitig auch fest. Ich plane ja keine Blogbeiträge, es ist wirklich nur die „Dokumentation“ eines Tagesthemas, wie es sich ergeben hat. Dieser Tanz zwischen „Fließenlassen und Festhalten“ ist für mich inzwischen das Faszinierende des Bloggens geworden, regelrecht das MEDIUM dieses Tanzes.
  • Das tägliche Beschreiben meines Blogs ist eine Art Autorenschule. Ich merke auch, dass mein eigenes Thema des SCHREIBENS wieder viel präsenter ist. Ja in letzter Zeit kristallisiert sich die Vision, in meiner Lebensschule auch eine Autorenschule einzurichten und mich selbst als Autoren-Coach mehr zu profilieren. Ich würde jedem angehenden Autor empfehlen, ein Schreib-Blog – vielleicht erst einmal nur über das Buchprojekt – oder gleich über das eigene Leben einzurichten. Das ist ein erzieherischer Prozess.

„Der Prozess des Buch-Schreibens
ist der Prozess in deine Seele.“ (Jürgen Schröter)

  • Apropos „Erziehung“: Ich habe als (antipädagogische getaufter) Pädagoge  immer eine Aversion gegen das Wort „Er-Ziehung“ gehabt (meine Alternative waren Bildung und Selbst-Bildung). Wer oder was soll da ZIEHEN? Für mich war „Erziehung“ damals eine höflich verschleierte Variante von DRESSUR. – „Ziehen“ kann man aber auch im Sinne des „Attraktors“ (fraktale Geometrie, Chaos-Physik) verstehen. Eine höhere Kraft, die aus dieser höheren Ebene heraus Ordnung in ein Chaos bringt. Er-Ziehen ist dann Er-Heben, erhebend. Der er-zieherische Prozess der SEELE ist ist so ein Attraktor; die Seele zieht zu sich, ist an-ziehend, ist attraktiv. Wie wäre es mit einer „Seelen-Erziehung“?
  • Es ist dabei noch einmal eine besondere Nummer, diesen Prozess in der Öffentlichkeit offen zu legen. Es ist eine Erziehung in Ehrlichkeit und Angstfreiheit. Ich habe keine Angst, dass ich hier textlich beklaut werde, schreibe hier meine (geistig verstandenen) intimsten Ideen herein. Ich brauche aus dem, was ich denke und schreibe, kein Geheimnis zu machen. Im Gegenteil: Ich weiß, dass es nicht mein „Ego-Eigentum“ ist (Schreiben aus der Seele ist immer auch ein Chaneln) und poche hier nicht Rechtsanwälten im Rücken auf „mein Urheberrecht“. Diese offensive Offenheit und Transparenz ist die beste Waffe gegen die verlogene Falschheit in dieser Welt. Ja: ein Heilmittel, da sich jeder selbst verSCHREIBEN sollte, ohne sich dabei zu VERschreiben.
  • Zurzeit ist die Kommentarfunktion deaktiviert, mein Schreiben ist bewusst noch eine Einbahnstraße. Doch wenn ich ein Feedback höre „Ich habe fast alles aus deinem Blog gelesen“, dann erröte ich doch leicht, vielleicht nicht mehr in meinem Ge-sicht-bar, doch sicher in meiner Aura.

Ich spüre, dass sich bei mir ein Quantensprung ankündigt (so etwas lässt sich nicht planen, es passiert einfach, aber ich spürte es schon – eine verschärfte Vibration): Ich bin auf eine ganz merk-würdige Weise dabei, mein „Leben wieder auf einer höheren Ebene in Ordnung“ zu bringen – und das ist mehr als nur der Schreibtisch. Und mein philosophisches Blog ist ein richtiger Katalysator dabei!

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 51 Leser/innen.