Einmal noch die große Liebe

Inhalt: “Reflexion” über Single-Dasein / Gibt es eine “Single-Misere” oder ist es vielmehr ein Segen? / die vier not-wendigen Lektionen des Single-Mannes / die spirituelle Lösung der Einsamkeit und des Alleinseins / deine eigene Seele gewinnen, bevor du deinen Seelenpartner gewinnen kannst / “Suche” jenseits des Mangels / und jetzt ab durch die Hölle! /  die “Richtige” oder doch nicht? / Neugeburt / sich dem Leben hingeben und ergeben / Seelenpartner sind Partner unserer Seele auf dem Weg der Läuterung / Liebe ist der Lohn der Liebe / 1.794 Worte

Ich habe keinen Fernseher, auch keine Satelittenschüssel, um deutsches Fernsehen hier in Südfrankreich zu empfangen. Ich kann nur über das Internet fern sehen. NTV, ZDF-Mediathek, 3sat-Mediathek sind das Gängigste. Mit meiner neuen Netzverbundenheit bin ich auch wieder “fernsehfähig”. Heute schau ich mir in der Serie 37 Grad im ZDF das Thema “Einmal noch die große Liebe” an. >> Hier der Link dazu

Drei Frauen haben auch als Langzeit-Singel die Hoffnung auf die große Liebe noch nicht aufgegeben: Viola (34), Ester (44) und Elke (60). Meine “persönliche Betroffenheit” zu diesem Thema, durch den Film angestoßen, ist mir einen Blog-Beitrag wert! (Upps, wenn ich hier schon gewusst hätte, was daraus wird! …)

Was (mir) zunächst auffällt: Es sind drei Frauen (in unterschiedlichen Lebensphasen), die sich zum Thema äußern. Kein Mann kommt zu Wort. Es kann ja nicht wahr sein, dass das “Single-Thema” nur ein Frauen-Thema ist! Doch mir ist schnell bewusst: Frauen gehen mit ihrem Single-Dasein anscheinend anders um als wir Männer. Und ich habe das “dumpfe Gefühl”, wir Männer haben einen ganz gewaltigen (Haupt?-) Anteil an dieser“Single-Misere” (wenn es denn eine ist).

Erst etwas zu mir in diesem Zusammenhang: Ich bin nun auch schon wieder 3 einhalb Jahre Single (mit manch Beziehungs-Annäherung dazwischen, was aber nicht fest werden wollte – sag ich mal so). Das erste Mal “richtig” Single war ich, als meine erste Frau mit unserem vierjährigen Sohn mich “über Nacht” (in Maßstäben der Evolution gemessen …) verlassen hat und nach Südfrankreich gezogen ist … Ich war über ein Jahr nahe daran, Alkoholiker zu werden (vielleicht war ich es auch schon – je nach Maßstab; ich kam jedenfalls noch ohne äußere Hilfe wieder raus). Ich war das erste Mal so richtig mit mir selbst und einem ersten gewaltigen “Lebens-Scheitern” konfrontiert. Es war nicht ganz so schmerzhaft, weil eine “sich gegenseitig tröstende Freundschaft” zu einer Frau da war, die jedoch sofort von “Übergangs-Beziehung” sprach, damit ich mich nicht zu sehr in sie verliere (“verliebe” klingt ähnlich). Ja, es war wieder Zeit, mich zu finden und nach der ersten gescheiterten Ehe mich neu zu erfinden.

Es ist hier nicht der Platz, meine ganze “Beziehungs-Biographie” zu erstellen, doch der Raum, meinen heutigen Stand dieses “Doppel-Lebens” zwischen “in Beziehung-” und “Singel-Sein” als Mann zu “reflektieren” (das Wort MUSS jetzt in einem philosophischen Blog kommen!).

Also / Alors:

  • Der Sinn jeder Lebenskrise liegt darin, etwas zu lernen. Die Lektionen als Single sind besondere Lektionen. Die Lektion als Single-MANN sind dabei noch andere Lektionen als die einer Single-Frau.
  • Die größte Gefahr für einen Single-Mann ist es, komplett zu verwahrlosen (Messie-Zustände) und in (Sex- und andere) Süchte abzurutschen. Ich schreibe das bewusst so krass. Diese Tendenz habe ich bei mir selbst über die Jahre (erschrocken) erfahren. Wenn ein Mann jetzt nicht das WEIBLICHE IN SICH entdeckt, die “innere Frau”, dann ist er “verloren” (das Wort darf dabei sehr tief verstanden werden), er hat SICH verloren.Philosophisch noch krasser formuliert: Mann ist für die Liebe verloren! (Kleiner Spruch von mir zum Verständnis dazu: Solange eine Frau sich noch um dich kümmern muss, wirst du als Mann verkümmern. Oder der hier: Wenn ein Mann es nicht mit sich selbst aushalten kann, warum sollte eine Frau es mit ihm aushalten können? Denk mal darüber nach!)
  • Was soll das aber heißen, “das Weibliche als Mann in sich entdecken”? Es ist im ersten Schritt ganz einfach, der Schlüssel heißt: Fürsorglichkeit für sich selbst. Und vielleicht habenSingle-Väter hier einen Vorteil: Wer als Mann gelernt hat, eine gewisse Fürsorglichkeit dem eigenen Kind gegenüber zu entwickeln (das Kind auch liebevoll in den Arm zu nehmen), der kann dann auch leichter umschalten auf: Fürsorglichkeit für sich selbst, sich selbst in den Arm nehmen. Wahrscheinlich ist als Vater auch das eigene INNERE Kind  wiedererweckt. Auch das ist für einen Single-Vater sehr hilfreich, um diese Krise zu überwinden und als “neuer Mann” wiedergeboren zu werden.
  • Nach dem “Scheitern” meiner zweiten Ehe hatte ich wieder eine “Single-Wohnung”. Und ich weiß noch wie gestern, dass ich mir damals geschworen habe: Okay, dann mache ich es mir aber auch so richtig schön! Nur wenige Wochen später sagten die ersten Menschen, die mich besuchten: Das ist aber richtig gemütlich bei dir, so schön warmherzig, (obwohl im Zentrum der Wohnung mein Arbeitsplatz stand, umrahmt von einem Meer von Büchern; ich arbeitete schon “von zuhause aus”). Ich hatte es geschafft: Da lebte ich das frischer Wieder-Single-Mann in einer Wohnung, die meine “innere Frau” im weiblichen Sinne kräftig mitgestaltet hatte. Bei mir hatte so etwas wie eine “innere Hochzeit” stattgefunden. Das ist die erste großen Lektionen, die ein Single-Mann zu lernen hat: die innere Hochzeit zwischen Mann und Frau. (Apropos “Scheitern”: Die Scheidungsrichterin frage mich, ob ich erklären könne, dass meine Ehe gescheitert sei. Ich antwortete spirituell naiv: “Nein, sie ist nicht gescheitert, sie hat sich erfüllt!” Die Antwort der Richterin verblüffte mich, hat aber ihre eigene Logik: “Wenn Sie Ihre Ehe nicht für gescheitert erklären, kann ich Sie nicht scheiden!” Ich erklärte sie umgehend für gescheitert!)
  • Apropos “spirituell”: Es heißt, die Lösung aller Probleme liege im Spirituellen. “Wahrlich, ich sage euch”: Das stimmt! So auch hier.Dieses Single-Sein fordert etwas heraus, war wir nur spirituell lösen können: wie wir mit “Alleinsein” oder “Einsamkeit” umgehen lernen, die zweite große Lektion. Das Leben führt uns als Single wieder auf uns selbst zurück, auf unser SELBST(wohlbedachte Worte!). Und wenn wir hier keinen Zugang zu etwas Höherem, etwas Göttlichen finden, dann sind wir wieder VERLOREN, “verlorene Seelen”. Doch wir haben in dieser scheinbar verlorenen Situation etwas zu GEWINNEN: das ganze Himmelreich der Seele.  Ich will die Lösung des “Single-Daseins” jetzt nicht ins Jenseits verlegen, ganz und gar nicht: Unsere Seele ist uns näher als unsere Nase. Sobald wir uns durch diese ganzen Herzens-Schmerzen (auch ein Herz aus Stein kann / muss  brechen) zu unserer Seele gefunden haben, löst sich “Einsamkeit” und “Alleinsein” in Wohlgefallen auf. Das ist eine wirklich wunder-volle Lösung und Auflösung: Ich bin nicht allein, ich bin ein Teil von ALLEM. Das ist mein ALL-Tag. Ich bin mit meiner Seele ein Teil des allumfassenden, EINEN Seelenfeldes.Sogar der Stein, an dem ich mich stoße, ist ein Teil von mir, ich bin ein Teil von ihm. Wir sind in unserer Seele EINS. WOWW!
  • Doch das Entscheidende: Wenn wir unsere Seele gefunden haben, dann sind wir nicht mehr im Mangel, sondern in der unerschütterlichen Fülle der Liebe. Wir suchen nicht mehr, weil uns etwas fehlt. Wir suchen nicht mehr “die andere Hälfte”. Wir sind vollständig. Wir sind im Modus des GEBENS. Wir sind für die Liebe reif geworden. — Oder denke einmal darüber nach: Wie willst du deinen Seelenpartner finden, wenn du deine eigene Seele noch gar nicht gefunden hast? Nahezu unmöglich! Das ist die vielleicht dritte große Lektion, die wir als Mann-Singel zu lernen haben: aus unserer Bedürftigkeit, unserer Beziehungssucht heraus zu kommen (es ist vielleicht die letzte Sucht, von der wir uns befreien), LIEBE wirklich GEBEN zu können.
  • Doch das Ganze ist immer noch ein Weg, unser Seelenweg.  Und dieser Seelenweg ist begleitet von MEHR FREUDE, aber auch MEHR SCHMERZEN. Mit jedem Menschen, der uns jetzt begegnet, kann es noch einmal zur “Läuterung” durch die Hölle gehen. Erwarte den “Seelenpartner” nicht gleich um die nächste Ecke. Es wird schnell so erscheinen, dass SIE, die Nächste, es ist, die “einzig Richtige” (die einzig WAHRE gehört anscheinend zur “wahren Liebe”). Dabei gibt es für uns nur “eine einzig Einzige”: Mama nämlich (um mich mal wieder krass auszudrücken; die Suche nach der “Einzigen” kann nur die Suche nach Mama sein; und das ist es doch nicht, oder?) Und das ist die vierte Lektion: uns von “der EINEN” abzunabeln, sonst bleibt alles beim Mama-Ersatz. — Und dann geht es “mit der Nächsten” flott wieder in die Hölle. Wir ziehen jetzt die Menschen an, die uns auf dem Seelenweg läutern (und damit SIND sie “Seelenpartner”, die Partner unserer Seele bei ihrer Läuterung), und das kann wieder sehr weh tun. Die Wahrheit ist: Es ist unsere Neugeburt als Seelenmensch – und das tut weh wie jede Geburt. Wir gebären uns selbst und neu aus unserer Seele heraus in vielfältigen Beziehungen zu anderen Menschen.

Wir können jetzt unsere LIEBE nicht planen. Wir können uns nur hingeben an das Leben, uns dem Leben ergeben (nehmen, was es uns gibt)  – und das IST LIEBE. Auch als Single sind wir in Beziehung: zu uns selbst, zum Göttlichen (der Seele), zur Familie, zu Freunden, Bekannten, Nachbarn, einer Gemeinde, in der wir leben. ALL das sind “vielfältige Angebote der Liebe”; auch Liebe zu lernen. Die ganz konkrete Art, wie wir diese Beziehungen auch als Single oder in einer Partnerschaft leben,REFLEKTIERT (spiegelt wider, ha!!) unsere Reife, unser Bewusstsein, unser Heilsein, unsere Beziehungs- und Liebesfähigkeit.

So, für einen Blogbeitrag ist es jetzt schon fast zu viel des Guten.Ich will noch zurück kommen auf den Film selbst, was mir noch aufgefallen ist:

  • Die Frauen “suchen” ihren Traumpartner an Orten, wo die “passenden Männer” gar nicht sind. Da, wo Single-Frauen sind, sind die Single-Männer nicht. (Wo stecken sie denn? ist eine Frage, die ich hier nicht weiter vertiefen will …) Die Frauen ZEIGEN SICH, die Männer verstecken und betäuben sich (in ihrem Jammertal, will ich mal ergänzen).
  • Reife Frauen (ich meine das jetzt nicht altersmäßig, sondern eher: für die Liebe reife Frauen) erwarten vom Mann, dass er sie anspricht. Die Frau ist in ihrer (er)wartenden Weiblichkeit. Wir Männer haben mehr so die Haltung (ich meine jetzt nicht die Machos, denen es nur um die nächste Trophäe geht): Mach du doch den ersten Schritt, das macht mich sicherer. Das Risiko des ersten Schritts ist mir zu groß, die Wunde des Liebesschmerzens noch nicht geheilt. (Jammerlappen?)

Den Schuh müssen wir Männer uns bei der ganzen “Single-Misere” anziehen. Wir sind nicht da, wo die Frauen uns erwarten – und wir machen nicht den ersten, selbstbewussten Schritt auf sie zu. Prüfung als “neuer Mann” nicht bestanden, sex, setzen!

Elkes Sicht am Ende kann ich gut verstehen:  Und wenn er in diesem Leben nicht kommt, dann eben im nächsten! Unsere Seelenreise braucht seine Zeit, vielleicht ein ganzes Leben, um wirklich für die Liebe reif zu sein. Doch die LIEBE ist überall, gar nicht zu verfehlen. Wir können ihr gar nicht entkommen (wie immer sie sich als Leben zeigen mag), brauchen uns nur in Überwindung unserer Ängste ihr zu ÖFFNEN. Der Seelenweg lohnt sich, in jedem Augenblick, mit jedem Atemzug, was immer die Belohnung ist. Und was sollte der Lohn der Liebe anderes sein als Liebe?

* Dieser Beitrag hatte seit 19.12.2015 bisher 146 Leser/innen.

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